Auftaktexkursion in den Südschwarzwald der ANW Hochschulgruppe Rottenburg

von Patricia Stichling

Die erste Exkursion nach der Corona Zwangspause wurde gemeinsam mit der ÖJV Hochschulgruppe am 14.10. durchgeführt. Der Themenschwerpunkt lag bei Einfluss der Jagd auf den Wald am Beispiel der Weiß-Tanne.

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Nach dem frühmorgendlichen Start in Rottenburg fuhren die Studierenden in Fahrgemeinschaften in den Landkreis Waldshut-Tiengen. In der Nähe von Bernau im Schwarzwald trafen wir uns am Vormittag mit dem pensionierten Revierleiter Wolfgang Steier. Die klimatischen Rahmenbedingungen im Südschwarzwald liegen bei 6 Grad Durchschnittstemperatur und 1600 mm Niederschläge im Jahr. 

Nach den Sturmereignissen Vivian Wiebke wurden große Mengen von Weiß Tannen mit der Wiedehopfhaue gepflanzt. Dabei diskutierten wir die Nachteile der Pflanzung auf die Wurzelentwicklung einer tiefwurzelnden Baumart wie der Tanne und die Probleme des Verfahrens. Es wurde wo immer möglich eine Achsenpflanzung durchgeführt, also am Stock einer gefällten Tanne gepflanzt. Dies hat einen zusätzlichen Düngeeffekt auf die junge Pflanze. Es wurden 1993 900 Tannen pro Hektar gepflanzt. Bei einer Besichtigung der Flächen wurde klar, dass die Tannen nicht immer erfolgreich angewachsen sind. Zwischenzeitlich sind neben den Ausgefallenen Pflanzen Tannen aus Naturverjüngung entstanden. Sie verfügen über ein besseres Wachstum und werden bei Pflegeeingriffen gegenüber ihren gepflanzten Vorgängern bevorzugt. Grund dafür ist die bessere Stabilität durch ungestörte Wurzelentwicklung der Naturverjüngung.

Die Tannen Naturverjüngung hat ihren Ursprung in einem straffen Jagdregime. Wir sprachen über die Wildbiologie des Rehs und den Einfluss von Verbiss auf die Naturverjüngung. Herr Steier gab Tipps und Empfehlungen aus seiner langjährigen Jagderfahrung auf verbeißendes Schalenwild.

 

Wir besichtigten Überführungsbestände aus Fichten-Tannen-Altersklasse Beständen, welche heute sich zum autochthonen Bergmischwald aus Tannen, Buchen, Berg-Ahorn, Esche und Fichte entwickelt. Die eingemischten Laubbäume erhöhen die Stabilität im Klimawandel und bieten dazu viele ökologische Vorteile. Die Zielvorräte bei diesen Beständen liegen bei 400-350 Vfm/ha.

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Von den Wildschäden der letzten Jahre blieb das Revier weitestgehend verschont, Grund dafür ist zweifelsohne die vertikale und horizontale, natürlich verjüngete Mischung der Wälder.

Anhand dieser Diskussion konnten viele Vorteile des Dauerwaldes gezeigt werden. Die Verjüngung hält mehr Feuchtigkeit im Bestand, der Boden wird weniger zur Angriffsfläche von Wind. Somit trocknet der Bestand im Sommer weniger aus. Gleichzeitig kann das eintreffende Sonnenlicht optimal genutzt werden, da durch die Stufigkeit viele Kronen und viel Fotosynthese betreibende Fläche die Energie nutzen kann. Das könnte ein weiterer Grund dafür sein, dass Dauerwälder bei Trockenheit länger durchhalten. Letzten Endes bedeutet die Mischung vor allem Risikostreuung. Der Klimawandel wird auch am Schwarzwald nicht vorbei gehen und durch den Fokus die Fichten Wirtschaft sind viele autochthone Arten verdrängt worden. Das Ergebnis davon ist auf dem vielen entstandenen Freiflächen im Landkreis zu sehen. In der künftigen Bewirtschaftung muss das Augenmerk der Bewirtschaftung auf Stabilität statt nur auf Zuwachs liegen. Grundstein für diese Entwicklung sind passende Wildbestände. 

 

An kleinen Käferlöchern konnten wir deren Dynamik mit einer Femelung vergleichen. In der Mitte wachsen Lichtbedürftige Arten wie Ahorn und Vogelbeere. An den Außenrändern zur Restbestockung nehmen Schattbaumarten wie Buche und Tanne zu. Ein solches Ereignis ist also nicht immer nur Verlust, vielmehr entstehen neue ökologische Bedingungen, welche Mischung und Stufigkeit vorantreiben.

Am Vormittag sprachen wir noch über die Erfahrung von Herrn Steier was die Saatgutgewinnung im eigenen Revier angeht und er zeigte uns gelungene Beispiele. Gleichzeitig zeigten die älteren Flächen auch ein Bedürfnis des Dauerwaldes: Schlagpflege nach einer Erntemaßnahme.

Nach der Mittagspause wurde dann mitgeholfen im Revier. Gemeinsam betrieben die Studierenden in zweier Gruppen Mischwuchsregulierung zugunsten von Berg-Ahorn, Vogelbeere und Tanne in einem unregelmäßig aufgelockerten Buchen Altholz. Die flächige Naturverjüngung war ein schöner Anblick und zeigte einmal mehr, dass die Jagd im Revier stimmt. Eine gute Gelegenheit für die Studienanfänger:innen, die Baumartenkenntnisse zu üben.

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Nach der Pflege konnte sich die Teilnehmenden erholen, bis es erneut in Zweier-Teams auf den Hochsitz ging. Bei einem gemeinsamen Gruppenansitz konnten Studienanfänger erste Ansitzerfahrung mit älteren Kolleg:innen sammeln. Der Abend war von Erfolg, die Strecke des Reviers wurde um ein Stück Rehwild und ein Stück Sikawild erweitert. Gemeinsam ließen wir den Tag in einer Jagdhütte ausklingen, welche auch zur Übernachtung genutzt wurde.

Die Quintessenz des Tages lautet: Waldumbau dauert, aber durch viel Beobachtung und mäßige Eingriffe kommt man ans Ziel.

 

 

 

 

Die ANW Hochschulgruppe bedankt sich für den schönen Tag und die prägenden Waldbilder.