Bericht Exkursion Privatwald Frhr. Hans-Sigmund von Berlichingen am 23. Juli 2016

 

 

Am 20.Juli 2016 trafen sich in Lampoldshausen eine bunt gemischte Gruppe von Interessenten zur einer Waldbauexkursion, oder besser gesagt zu einem Workshop.

Die 23-köpfige Gruppe setzte sich aus Revierleitern, Forststudenten, Forstunternehmern, Klein- und Großwaldbesitzern sowie aus Mitarbeitern des MLR zusammen. Diese Mischung versprach Diskussionen und Anregungen, getreu dem Motto der ANW-Bundestagung 2012: „die Mischung macht´s“.

Anlass für diese Exkursion / Workshop war die Tatsache, dass der Privatwald des Freiherrn Hans-Sigmund von Berlichingen von der Altersklassenwirtschaft in die Dauerwaldbewirtschaftung überführt werden soll.

Nach der Begrüßung an der Logistikfläche des zur Zeit größten Windparks in Baden-Württemberg ging es zuerst in ein Buchen Altholz  (a16/2) um den Holzeinschlag, bzw. die Auswirkungen durch die Fällung von Starkbuchen (BHD 75 bis 90 cm) zu begutachten. Manchen Teilnehmern waren sogar die durch die Fällung entstandenen Löcher  noch zu klein vor dem Hintergrund, dass sich auf denselben Lichtbaumarten verjüngen sollten.

Im Folgebestand konnten wir dann sehen wie sich ein Bestand entwickelt hat, der vor 45 Jahren zur Räumung vorgesehen war. Die FE 1971 plante „den sehr schlechten  Bestand  von Osten zu räumen und Dgl anzubauen“.  Dies wurde so nicht flächig umgesetzt und es wurde mit geringem Aufwand doch noch ein recht passabler Bestand  entwickelt, in dem in jedem Jahrzehnt ca. 100 fm bei gleichbleibendem Vorrat genutzt werden konnten. Es fielen teilweise sogar Buche-Furnierstämme an.

Anschließend ging es in den Berlichingen´schen Privatwald, hier gaben zuerst Baron Berlichingen und H-J. Kurz einen allgemeinen Überblick über den Betrieb. Anhand der Zahlen und Diagramme der Forsteinrichtung vom Jahre 2001 wurde deutlich, dass bei fortgeführter Bewirtschaftung im Altersklassenmodell mittelfristig Ertragsengpässe auftreten werden. Eine Umstellung auf Dauerwaldbetrieb lässt dagegen eine kontinuierliche Erträge erwarten.

Nach dieser Einführung ging es zum ersten Waldbild, einem frisch gepflegtem Buchen-Baumholz (a12/2) mit etwa 50% Nachwuchsvorrat. Die Teilnehmer äußerten sich durchweg positiv über die Höhe der Eingriffsstärke und die Güteentwicklung dieses Bestandes.

Nach einem sehr guten Mittagessen, Wildgulasch aus eigener Jagd, zu dem wir vom Hause Berlichingen eingeladen wurden, ging es in dem zweiten Bestand an die praktische Arbeit. Auszeichnen im noch nicht durchforsteten Teil des ersten Waldbildes war der Auftrag. Die vier Gruppen gingen mit Schwung und Elan an die Arbeit und es wurde lebhaft diskutiert und „ausgebändelt“.  Bei der anschließenden gemeinsamen Besprechung wurde über die Eingriffsstärke, die Behandlung von noch einigermaßen gesund aussehenden Eschen, sowie über die Problematik auch mal eine Buche aus Schutzgründen für den Nachbarbaum stehen zu lassen, nochmal intensiv diskutiert.

Die nächsten Waldbilder standen im krassen Gegensatz zu den ersten beiden. Hier ging es um die Wiederbewaldung von Sturm- und Käferflächen, die sich im Laufe der Jahre auf über 2 ha ausgedehnt hatten. Zu sehen waren zuerst vor allem die Brombeere neben Gräsern, Birken und anderer Verjüngung. Im ersten Teil dieser Fläche waren sich die Teilnehmer noch einig, dass die NV völlig ausreichend wäre. Im zweiten Teil, hier handelte es sich um die größere und vom Standort her auch schlechtere Fläche,  hier wurden doch gewisse Sparpflanzverbände etc. angedacht. Eine komplette Bepflanzung der Fläche wurde von allen Teilnehmern als zu kostenintensiv erachtet.

Die  weitere Entwicklung solcher natürlich bewaldeten Störungsflächen sahen wir dann im letzten Waldbild. Hier wurde bereits im Rahmen einer so genannten „Notqualifizierung“ die Störungsfläche (Wiebke) mit wenig Aufwand gepflegt. Diese Maßnahme fand die Zustimmung aller Teilnehmer, aber mit dem Hinweis, die Fläche nicht aus den Augen zu verlieren. Eine  wiederholte Pflege in kurzen Abständen, um die wenigen vorhandenen, aber sehr guten Bestandesglieder zu erhalten, wurde als notwendig erachtet.

Bei Kaffee und Kuchen, vielleicht auch bei einem Weizenbier, ließen wir den Tag in dem sonnigen Biergarten des „Roten Schlosses“ in Jagsthausen gemütlich ausklingen.

 

Lampoldshausen, den 26. Juli 2016

Hans-Jörg Kurz

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