Nachlese zur Exkursion am 05. Mai 2017 im Privatwald Wieland in Mainhardt-Mönchsberg
v. Werner Gimme Revierleiter i.R.
 
 
Der Waldteil „Dicker Busch“ hat eine Größe von 13 ha. Er liegt zwischen 460 u. 470 m ü.NN im oberen Stubensand mit örtlich eingelagertem Ton und teilweiser Feinlehmvergütung, bei 950 mm Niederschlag und einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 7, 5 Grad.
Wir wurden am Morgen sehr freundlich von der Familie Wieland mit Kaffee und Brezeln begrüßt und Frau Elisabeth Weißer geb. Wieland gab einen kleinen Gesamtüberblick über den Wald der Familie. Besonders erwähnte sie, dass dieser Waldteil nach Erbauseinandersetzungen als Einheit zusammengehalten werden konnte, was alle Teilnehmer erfreut zur Kenntnis nahmen. Der gesamte Wald wird seit über 50 Jahren von Dietrich Wieland bis zum heutigen Tag bewirtschaftet. Fachlich betreut wird der Betrieb von Revierleiter Ulrich Stahl vom Bentheim´schen Revier Gaildorf, der auch die Exkursion mit Herrn Wieland vorbereitet und geleitet hat.
Die groben geschichtlichen Daten der Bestände:
1932 Übergang zur Einzelstammnutzung initiiert damals von Dr. Dannecker. Schon 1935 dann die erste Vollkluppung des Bestandes durch Dr. Dannecker mit einem Vorrat von 301 VFm/ha. Danach weitere Vorratsaufnahmen 1949 (344 VFm/ha), 1994 (413 VFm/ha), 2003 (491 VFm/ha). Die Aufnahmen von 1949 und 1994 wurden von Willi Gayler durchgeführt. 2003 Vollkluppung in Zuge einer Diplomarbeit von Hermann Benninger. Natürlich blieb auch der Wielandsche Wald nicht von Kalamitäten verschont, so vom Tannensterben der 80er Jahre und den Stürmen Wiebke und Lothar. Letzterer verursachte die Hauptschäden (65 fm/ha über den gesamten Betrieb) in einstufigen Fi- Beständen aus Erstaufforstungen von feuchten Wiesen. Der Plenterwald blieb voll erhalten.
Lebhafte Diskussionen ergaben sich bei jedem gezeigten Waldbild, vor allem die Vorgehensweise beim Auszeichnen (Welcher kann, welcher sollte, welcher muss entnommen werden) Auch die Fragen um das Starkholz wurden diskutiert. Konsens wurde erzielt, dass starke Erdstücke guter bis bester Qualität auch in Zukunft einen Markt haben werden. Jedoch wird starkes C-Holz immer weniger nachgefragt und damit gut bezahlt werden. Die Frage wurde gestellt ob es Absicht sei den Vorrat noch weiter anwachsen zu lassen, was sehr unterschiedlich diskutiert wurde, einerseits wurde die Meinung vertreten dass Stammzahlhaltung und –struktur bestimmten Leitkurv doch die Antithese meinte man könne einen Wald mit seiner eigenen Entwicklung nicht streng in Leitkurven packen und danach behandeln, es müsse immer das Prinzip des Örtlichen und des Gefühls im Umgang mit Wald beachtet werden.
Besonders emotional war die Diskussion bei der Frage der Nutzung von Wäldern und wie die Diskussion öffentlich geführt wird. So seien in den Medien vor allem naturschützerische Ansätze präsent, auch Veröffentlichungen wie das Buch des Kollegen Peter Wohlleben werden in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen, als Fragen der Bewirtschaftung in den Wäldern. So wurde z.B. die Meinung vertreten es sei doch heuchlerisch große Flächen in Deutschland unter Nutzungsverzicht zu stellen und gleichzeitig 40% des Holzbedarfs aus andern Ländern zu importieren.
Am letzten Waldbild, einem verlichteten Laubholzstreifen aus Buchen, Kiefern und einigen Eichen mit teilweise untergebauten Douglasien und reichem Naturverjüngungsvorrat an Bu und Ta und ganz vereinzelt darin enthaltender Ei, wurde die Problematik der Ei in diesen Beständen, was die Konkurenzfähigkeit gegenüber der Bu angeht, diskutiert. Konsens war, dass die Ei hier immer bis zur Reife ein Pflegling des wirtschaftenden Forstmannes sein wird.
Die Exkursionsgruppe am „Willy-Gayler-Gedächtnisstein
 
Während des gemeinsamen Abschlusses in den Räumen des ehemaligen Forstamtes Mönchsberg gab uns Helm-Eckhart Hink einen Einblick in sein Privatleben und das seines Onkels Willi Gayler in den Jahren 1945 - 1949. Während dieser Zeit wohnte die Mutter Hink mit 3 Kindern - ohne Vater, der bis Herbst 1948 in französischer Gefangenschaft war - in Stuttgart. Wegen der äußerst beengten räumlichen Verhältnisse wurde Helm-Eckart, der jüngste, damals 4-jährige Sohn, zu Tante und Onkel Willi Gayler “evakuiert“. Mit diesen wohnte er zunächst auf dem Württemberger Hof und dann im Forsthaus Mönchsberg. Er erfuhr in dieser Zeit eine starke Prägung für den Wald und den Umgang mit ihm durch Willi Gayler. Die Ausführungen von Eckhart Hink vermittelte die starken Bindungen an seinen Onkel, und die chaotischen Geschehnisse am Ende des Krieges, mit denen die Familie damals fertig werden musste.
 
 
 
Zum Seitenanfang