Ernst Karl Heber

Ernst-Karl Heber 1983

Oberforstmeister der Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen Nördlingen

Ein Leben für die Bewirtschaftung des ihm anvertrauten Betriebes nach den Grundsätzen der naturgemäßen Waldwirtschaft


Im Sommer 2005 beschloss die ANW-Baden-Württemberg ihre Jahrestagung 2006 in Aalen abzuhalten. Bei der Suche nach Exkursionsrevieren kam, neben Gschwend und Aalen, sofort der vom ehemaligen Forstamt Bopfingen, (heutige Außenstelle des Dezernates III im LRA des OAK), durch FDir. Werner Vonhoff betreute Betrieb der "Gemeinsamen Wohltätigkeitsstiftungen Nördlingen" ins Blickfeld.

Es war zwar bekannt, dass der letzte, selbständig arbeitende Betriebsleiter des Stiftungswaldes Oberforstmeister Ernst Karl Heber, seit deren Gründung 1950, Mitglied der ANW gewesen war und die Grundsätze naturgemäßer Waldwirtschaft ebenso energisch wie erfolgreich durchsetzte. Jedoch kannte niemand den Weg welcher Heber zur ANW führte. Das erstaunliche Ergebnis der Recherche soll hier kurz mitgeteilt werden.

Ernst-Karl Heber wurde am 23.06.1907 in Erlbach im Vogtland geboren. Besuchte die Volksschule in Erlbach, die Realschule mit Progymnasium zu Ölsnitz von 1918 bis 1924 und ab 1924 die Oberrealschule in Plauen. 1927 Reifezeugnis, 1927 TH Dresden Vorsemester und im Anschluss Fachsemester des forstlichen Studiums an der Forstlichen Hochschule zu Tharandt.

Er selber schreibt:

" Trotz allgemeiner Überfüllung im Forstberuf und ohne zunächst als Anwärter für den Staatsforstdienst angenommen zu sein, entschloss ich mich, Forstwissenschaften zu studieren... ."

1931 (Ostern) verließ er die Hochschule mit dem Grad eines Diplom - Forstingenieurs. Seine Lehrer waren die Professoren Dr. Münch, Dr. Krauss, Dr. Rubner und Dr. Heske. Die Semesterferien nutzte Heber zu praktischem Studium beim Städtischen Forstamt der Stadt Plauen, außerdem bei anderen sächsischen Forstämtern, aber auch in Lohr bei Oberforstmeister Seeholzer und Oberforstmeister Lindner in Rohrbrunn. Vom 10. Sept. bis 6. Okt. 1928, praktiziert er als Forststudent im Forstamt Hirschberg. Das Bayrische Staatsforstamt Rohrbrunn, im Hochspessart, bestätigt den beiden Referendaren E. K. Heber und von Römer vom 16. bis 30. August 1929, sich zum Zwecke des Studiums der Laubholzwirtschaft dienstlich zur Verfügung gestellt zu haben. Das Bayerischen Forstamt Lohr - Ost bestätigt, dass Heber vom 01. bis zum 14. Sept. 1929 dort aufgenommen war, um die Laubholz und Mischholzwirtschaft im Spessart kennen zu lernen, und zwar mit großem Eifer und mit Erfolg. Den dreijährigen Vorbereitungsdienst zur forstlichen Staatsprüfung leistet er außerhalb der sächsischen Landesforstverwaltung in Schlesien und Thüringen, sowie anlässlich der Erstellung der Forsteinrichtung, wieder im Forstamt der Stadt Plauen ab. Im Juni 1934 schließt er als zweitbester Absolvent von 25 Prüflingen die "Große Forstliche Staatsprüfung" mit der Note "gut" ab. Vom 16.07.1934 an arbeitet er als Privatforstassessor unter Oberforstmeister Hermann Krutzsch, dem Mitbegründer der ANW in Schwäbisch Hall, beim Forstamt Bärenfels im Erzgebirge. Krutzsch hatte ihn beim Staatsexamen als Prüfer kennen gelernt und ob seiner überdurchschnittlichen Fähigkeiten nach Bärenfels geholt. Dort konnte/durfte Heber neben Krutzsch, fast von Anbeginn die Tätigkeit eines stellvertretenden Forstamtsleiters in em über 3000 Ha großen Forstamt Bärenfels, bereits im Alter von 27 Jahren ausfüllen. Am 29.03.1937 stellt OFM H. Krutzsch Heber ein exzellentes Zeugnis aus: Er konnte in dieser Zeit die waldbauliche Umstellung der Forstwirtschaft in Sachsen miterleben, Zitat H. Krutzsch: "...und an ihr gestaltend mitarbeiten". Heber tritt im Dezember 1937 in die NSDAP ein, nachdem er aus der SA sehr frühzeitig wegen politischer Meinungsverschiedenheiten ausgeschieden war, vermutlich um seine Anstellung in den sächsischen Staatsdienst nicht zu gefährden. Heber bleibt beim Forstamt Bärenfels, wird im Jahre 1938 als Beamter in den sächsischen Staatsforstdienst übernommen. Er bleibt dort bis 1939, solange bis er zum Wehrdienst eingezogen wird. Er dient an der Front bis zum Ende des Zweiten Welt-Krieges, lediglich unterbrochen durch eine längere dienstliche UK (unabkömmlich)-Stellung, während der er noch einmal 14 Monate in Bärenfels arbeiten kann. Er wird noch in den letzten Kriegstagen schwer durch einen Schultergelenkschuß verwundet. Nachdem inzwischen das 3. Reich, das totalitäre nationalsozialistische System zusammengebrochen war, das Deutsche Reich in vier Besatzungszonen geteilt ist, wird Heber im Mai 1946 aus dem Lazarett, mit einer 50% igen Erwerbsminderung, entlassen. Er kehrt nicht in die damalige Ostzone zurück, da in der Ostzone alle leitenden Beamten unter dem Generalverdacht der Mitgliedschaft in der NSDAP von ihren Stellen entfernt wurden. er nimmt seine Wohnung in der Nähe der bayrisch-sächsischen Grenze. Heber betätigt sich einstweilen als forstlicher Mitarbeiter (Forstamt Rehau), beim Landesverband für den bayerischen Nichtstaatswald als Beauftragter und später als Prüfer, als Forsteinrichter (Stadt- und Hospitalwaldes Hof), als forstlicher Gutachter und als Vertreter von Forstbaumschulen. Zudem hat er noch die Oberaufsicht über die Freiherrlichen von Kotzau'schen Reviere inne. Angebote aus der Holzwirtschaft lehnt er ab (Zitat),

... weil ich entsprechend meiner Neigung auf der Produktionsseite mitarbeiten will.

Frühjahrstagung der ANW 1955 im im Wald der Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen der Stadt Nördlingen. Es beginnt ein, aus heutiger Sicht anrührender, sehr beschwerlicher Weg auf der Suche nach einem neuen Tätigkeitsfeld, welches seiner Ausbildung, seinen Fähigkeiten und seinem Anspruch genügt. Die Hürden der Entnazifizierung müssen genommen werden, der Weg durch die Spruchkammern ist zum Teil entwürdigend. Am 24.02.1947 wir Heber die Klageschrift zugestellt. Am 23. Juni 1947 ergeht gegen Heber, geb. 23.06.1907, in Erlbach/Vogtland, wohnhaft in Freilitzsch, an seinem 40. Geburtstag, folgender Beschluss:

Das Verfahren gegen den Betroffenen wird nach § 1, Ziffer 2 der Weihnachtsamnestie eingestellt.

Am 01. April 1950 wird Heber einstimmig zum Forstmeister der "Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen der Stadt Nördlingen" gewählt und angestellt. Wie Krutzsch tritt Wie Krutzsch tritt Heber sofort nach der Gründung der ANW dieser bei. Vermutlich ist er nur durch die Übernahme seiner neuen Anstellung in Nördlingen an der Teilnahme bei der Gründungsversammlung in Schwäbisch Hall am 30.05/01.06.1950 verhindert. Krutzsch äußert sich in einem Brief privat über Hebers Tätigkeit beim Forstamt Bärenfels zwischen 1934 und 1940. Er schreibt darin unter anderem:

"Ich habe seinerzeit Heber ausgewählt und kann nur sagen dass diese Wahl eine glückliche war."

Heber beginnt in Nördlingen sofort mit der Entrümpelung der Bestände. Zum Bau des Krankenhauses Nördlingen, dessen Träger die Vereinigten Stiftungen sind, tragen die Stiftungswaldungen über 1 Million DM bei, ohne dass der Waldaufbau gestört wird. Heber entwickelt für alle Baumarten der Stiftungswaldungen Ertragstafeln, welche die wirklichen Ertragsverhältnisse in seinem Betrieb sehr genau wiederspiegeln. Heber hat von Anfang an erkannt, dass die viel zu hohen Wildstände die Möglichkeiten des naturgemäßen Waldbaues (Naturverjüngung) begrenzen. Er versucht durch intensiven Zaunbau das Wildproblem zu lösen, da die Jäger sehr großen Einfluss auf die Stadt als Stiftungsinhaber haben. Bau von Jagdhütten, Verpachtung an Stadträte und einflussreiche Bürger oder Personen. Keine oder nur geringe Einwirkungsmöglichkeiten der Forstseite auf diese Zustände. Größter Zaun im Betrieb 120 HA. 1971 Abschieds-Exkursion der ANW, alle Teilnehmer erhalten einen aus einem Eichenbalken des Kirchturms (volkstüml. Daniel) der Stadtkirche in Form der Silhouette des Daniel ausgesägten Anhänger.

Nach dem Ausscheiden Hebers in den Ruhestand Übernahme der Bewirtschaftung des Stiftungswaldes durch die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg. Heute betreut durch Forstdirektor Werner Vonhoff, Bopfingen und die beiden Revierleiter Ferner und Povarcinski. 

Heber stirbt am 20.05.1987 und wird in Nähermemmingen begraben. Seine Frau lässt die sterblichen Überreste exhumieren und verbrennen und im Familiengrab in Tharandt, neben den forstlichen Größen der sächsischen Forstwirtschaft, beisetzen. Sie selbst wird 1997 ebenfalls dort bestattet.

 

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