Zieldurchmesserernte in Buchenbeständen  und was nun ?

Ein Versuch

Der von HOLM in seiner Promotionsarbeit von 1976 entwickelte Gedanke der Ernte nach Zieldurchmessern  in Buchenbeständen hat bei der waldbaulichen Praxis in erstaunlichem Ausmaß Widerhall gefunden. Das Ernteverfahren bedeutete in der Buchenwirtschaft einen Paradigmenwechsel -  weg von der großflächigen Schirmverjüngung mit dem Leitbild der „Verjüngung aus einem Guß“ hin zu einem längerfristigen, am Einzelbaum orientierten Generationswechsel mit der Folge eines zeitlich gestreckten, differenzierten Ernte- und Verjüngungsgeschehens.


 Dies führte bei den zumeist aus Großschirmschlag  entstandenen Buchenalthölzern zunächst zu zweischichtigen Beständen, mit einem, deutlich seine Herkunft aus dem gleichaltrigen Hochwald zeigenden, flächigen mehr oder wenig homogenen, im Alter wenig, in der Höhe etwas deutlicher differenzierten Nachwuchs. Über diesem Nachwuchs, der „Verjüngung“, steht eine je nach Nutzungsgang bzw. Hiebsreife unterschiedlich geschlossene Oberschicht, bestehend aus qualitativ unterschiedlichen Altbäumen, die noch ihrem Zieldurchmesser entgegenwachsen. Wir haben es hier mit einem Waldaufbau zu tun, wie er in der klassischen Waldbaugeschichte ein Novum darstellt.  Es darf daher nicht wundernehmen, dass in der Praxis hinsichtlich der weiteren Behandlung dieser „zweischichtigen“ Bestände allfällige Unsicherheiten auftreten. Deshalb sei es gestattet, hierüber einige Überlegungen anzustellen.

 

 

 

Grundsätzliches

Grundgedanke bei der Ernte nach Zieldurchmessern ist es, möglichst viele Bäume zu wertvollem Starkholz heranwachsen zu lassen. Da Buchenbestände bekanntlich ein sehr breites Durchmesserspektrum aufweisen, kann sich der Erntezeitraum über viele Jahrzehnte hinziehen. In dieser Zeit soll denn auch der Generationswechsel stattfinden.

 

Die neue Generation ist nun keineswegs die berühmte „Verjüngung aus einem Guß“ sondern sie ist in sich ungleichaltrig, trupp- gruppen- und horstweise strukturiert.  Nach Möglichkeit sind auch Elemente der Vorgeneration integriert ( Bäume mit langer Lebenserwartung, Biotopbäume, Seltenheiten...). Fäll- und Rückeschäden am Nachwuchs erhöhen die Differenzierung. Oberholz  und Folgegeneration bilden eine Einheit. Auf größerer Fläche kann strukturelle und ökologische Ausgeglichenheit entstehen (Dauerwald).

 Dauerwald, Plenterwald und  Zielddurchmesserernte

Beim Schlagweisen Hochwald als Betriebsart  wird die Zieldurchmesserernte als ein Verjüngungsverfahren aufgefasst – Verjüngung vom starken Ende her. Mit der Einstellung eines Bestandes „in die Verjüngung“ steht die Schaffung einer geschlossenen, qualitativ hochwertigen Nachfolgegeneration „aus einem Guss“ im Vordergrund. Dies führt automatisch, meist bedingt durch die Angst vor Fäll- und Rückeschäden, zu einer Verkürzung des Erntezeitraums und zur vorzeitigen Entnahme hiebsunreifer Bäume. Man kann für das Bestreben des Försters „endlich fertig zu werden“ sogar ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen. Rohe, massenreiche Endnutzungshiebe, nicht selten verbunden mit unbedachtem Großmaschineneinsatz, können aber jahrzehntelange Bemühungen um natürliche Verjüngung zunichtemachen. Nicht selten sind  das „Auf-den-Stock-Setzen“ unbrauchbaren Jungwuchses und teure Ergänzungspflanzungen notwendig. Plötzlich freigestellte Überhälter fallen den Unbilden der Freifläche zum Opfer,

Bei der Betriebsart Dauerwald steht im Vordergrund die „Stetigkeit des Waldwesens“. Die Nutzung wird einzelbaumweise, allenfalls kleinflächig erhoben. Die Verjüngung steht nicht im Mittelpunkt; sie ist die Folge der Nutzungsart. Das Anfallen von starkem, wertvollem Holz wird optimiert. Neben ständigen Pflegehieben steht die Ernte nach Zieldurchmessern im Zentrum der waldbaulichen Tätigkeit. Angemerkt sei, dass der Zieldurchmesser kein stur ein für allemal festgelegtes Zentimetermaß ist, sondern eine Richtgröße, die nach den individuellen Eigenschaften des Einzelbaums, nach Greifbar- und Entbehrlichkeit, dem Holzmarkt und vor allem nach dem Willen des Waldbesitzers variieren kann.

Das Ergebnis der ZDE ist kein „Plenterwald“. Dieser ist definitionsgemäß eine unter vielen Erscheinungsformen des Dauerwaldes (wenn auch die am höchsten entwickelte) und ist an das Vorkommen der Weißtanne gebunden. Das Vorgehen bei der ZDE ist am ehesten mit dem Begriff „Gruppenplenterung“ zu beschreiben.

Von der Auslesedurchforstung zur Zieldurchmesserernte –

Die Mehrzahl der gegenwärtig in der Phase der Zieldurchmesserernte befindlichen oder hierzu heranstehenden Bestände hat in den letzten Jahrzehnten eine Zeitspanne mehr oder weniger intensiver Auslesedurchforstung durchlaufen.

 Diese Auslesedurchforstung hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt:  Von  der  grundflächengesteuerten Lichtwuchsdurchforstung nach ASSMANN und FREIST über die  Z-Baumdurchforstung nach ALTHERR  bis hin zu der von WILHELM  formulierten Strategie der Qualifizierung und Dimensionierung, die letztendlich einen Buchenschnellwuchsbetrieb darstellt (60—60). Dabei ist eine zunehmende Homogenisierung der Verteilung der Wertsträger, eine Abnahme der Baumzahlen und ein Schwinden der Zahl - der bei der Buche ohnedies nicht häufigen - hochwertigen  Bäume festzustellen. Unter dem Aspekt der ZDE und des Dauerwaldgedankens  wäre dagegen ein mehr baumzahl- qualitäts- und  zuwachsschonendes Vorgehen zu erwägen. Dies würde einen Schritt in Richtung Gruppendurchforstung bedeuten, wie sie etwa von KATO und MÜLDER formuliert worden ist. Einiges wäre schon gewonnen, wenn man auf das Z-Baum- Kriterium „Verteilung“ verzichtenund sich auf Vitalität und Qualität beschränken würde. Soweit zur Ausgangslage für den Beginn der ZDE.

Nach abgeschlossener Pflegephase ist „Ernte“  angesagt.. Sie beginnt mit der Entnahme der schlechteren starken Bäume und nähert sich schrittweise der Ernte der wertvollen Bäume, welche den vom Betrieb vorgegebenen Zieldurchmesser erreicht haben. Die gleichmäßige Verteilung spielt jetzt keine Rolle mehr. Das Lichtklima im Bestand wird durch die Entnahme der zufällig verteilten Erntebäume bestimmt, was sich natürlich differenzierend auf die Wuchsverhältnisse in der Folgegeneration und im verbleibenden Oberstand  auswirkt.

 Mit fortschreitender Entnahme der einst vorherrschenden und herrschenden Bäume verlagern sich Vorrat und Zuwachs im Oberstand allmählich auf die ehemals zwischen- und unterständigen Bestandesglieder. Ihre hochgeschobenen, steil zum Licht strebenden, mehr oder weniger eingeklemmten Kronen vergrößern sich durch Astabsenkung, Wachstum und – was sehr wichtig ist – durch die Bildung von „Wasserreisern“.  Es entsteht eine – physiologisch  jüngere – Sekundärkrone. Der Baum wird revitalisiert. (Wohl eine Erklärung für die Vermutung, daß die Rotkernbildung in ehemaligen Zwischenständern trotz hohen Alters sich merklich verlangsamt). Wo der Schaft von nachrückendem Jungwuchs eingehüllt wird,  bilden sich keine Wasserreißer. In der Folge setzt die Krone gelegentlich von oben her durch Trockenzopfbildung zurück. Auf die Vitalität des Baumes hat dies jedoch keinen Einfluß; die Auswirkung auf die Rotkernbildung ist noch zu untersuchen. Plötzliches Freistellen unbeschatteter Buchenschäfte  kann zu Sonnenbrand führen.

Anzahl und Stärke der Hiebseingriffe

Anzahl und Stärke der Hiebseingriffe orientieren sich am laufenden Zuwachs des Bestandes, wobei  sich  zwei Eingriffe pro Jahrzehnt in der Praxis als zweckmäßig erwiesen haben.

 Laufen einem bei diesem Vorgehen die Zieldurchmesser davon, kommt man öfter, wenn sie zurückbleiben, hält man sich zurück. Der laufende Zuwachs ist in alten Buchenbeständen überraschen hoch (in Oberschwaben bis zu 14 fm/ha). Er sinkt erst dann ab, wenn  in der Oberschicht die kritische Grundfläche bzw. die Baumzahl nutzungsbedingt unterschritten wird.

Je qualitativ hochwertiger, je stärker im Durchmesser differenziert und  je stammzahlreicher man mit dem Bestand in die Phase der Zieldurchmesserernte einsteigt, desto länger lässt sich dieser wirtschaftlich hochproduktive Zeitraum nutzen.

 Das Nutzungsgeschehen bewirkt eine laufende Verbesserung des Lichtklimas im Bestand. Die nächste Waldgeneration hat genügend Zeit, sich zu etablieren. Man geht möglichst schonlich mit ihr um; der Schwerpunkt der Arbeit liegt aber nicht auf der „Verjüngung“ sondern auf der Produktion starken, wertvollen Holzes.  Es besteht keinerlei Veranlassung, mit der Oberschicht zugunsten des Nachwuchses „abzufahren“, solange die individuelle Hiebsreife jedes einzelnen Baumes nicht erreicht ist.  Die zunehmend rege Nachfrage nach starkem C-Holz kann es sogar nahelegen, auch fehlerhafte Bäume ausreifen zu lassen, bzw. den ZD zurückzunehmen.

Nachwuchsschonende Rücketechnik

Und wie steht´s mit den Schäden am Nachwuchs?  Man muß unterscheiden:  Flächen, in denen man die Fällrichtung frei wählen kann, also die Ebenen und die schwach geneigten Hanglagen einerseits und die steileren Hänge, wo die schweren Bäume nur senkrecht bergab gefällt werden können anderseits.

Auf der Ebene ist die Erschließung mit Rückegassen heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Genau so selbstverständlich ist das rückegerechte  Fällen zur oder weg von der Gasse. Was man aber immer noch sieht, ist das Herauswürgen ganzer Schäfte manchmal gar ganzer Bäume aus dem Jungwuchs. Dies führt besonders beim Einschwenken auf die Gasse oder von der Gasse auf den Weg zu enormen Schäden am Nachwuchs.  Diese stehen in keinem Verhältnis zu  den fallweise  eingesparten Rückekosten.  Zieldurchmesserernte ist sortimentsweise Kurzholzerente.

Besonders anspruchsvoll ist die Bringung am Hang, wenn zu schonender Jungwuchs vorhanden ist. In letzter Zeit  entwickelt sich die Seilkrantechnik als ein probates Hilfsmittel. Vorgängiges Anlegen der Seiltrassen, dann erst Auszeichnen der Erntebäume, Bringung bergauf, Abnahme mittels Bagger- oder Zangenschlepper. Die derzeitige Erlössituation gestattet auch bei Seilkraneinsatz die Durchführung moderater Eingriffe.

Wo Seilbringung nicht möglich ist, kann notfalls nach einer etwas verkürzten ZDE-Phase auf den professionell durchgeführten Zonenschirmschlag  mit gut bemessener Starkholzreserve  zurückgegriffen werden. Wo immer möglich sollte man aber an den Steilhängen in extensivere Formen des Dauerwaldes hineinfinden.

Strukturanalyse unter Nutzungsgesichtspunkten

Um eine Fachdiskussion über das Vorgehen bei der ZDE zu ermöglichen  und tiefere Einblicke in das Erntegeschehen zu erhalten, ist es vielleicht sinnvoll, sich einen Überblick über die Baumstrukturen in den ZDE-Beständen zu verschaffen. Unter dem Gesichtspunkt der Nutzung, sprich: der Ernte, bietet sich die folgende Gliederung an:

Strukturelle Gliederung nach Erntegesichtspunkten 

Beschädigte, schädliche, entbehrliche Bäume 

   Die Zahl der in unseren Wäldern stehenden insbesondere durch Rückung und Fällung beschädigten Bäume ist ausweislich der Betriebsinventur auf Stichprobenbasis enorm hoch. Sie bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Durch Fällung verursachte Streifschäden führen bei der Buche in kurzer Zeit zu Weißfäule. Schädliche Bäume müssen aus waldhygienischen Gründen entnommen werden. Entbehrliche Bäume sind solche, die im Ökosystem keine besondere  Funktion erfüllen. Die Eingriffe können auch unter der Bezeichnung „Vorratspflege“ laufen.

 Mit Beginn der ZDE ist das Verfahren durchforstungsfrei. Von  jetzt an ist Ernte angesagt!

Erntebäume erster Ordnung

   Es sind dies Bäume, die den ZD erreicht haben. Dieser ist keine feste Größe. Er ist als der Durchmesser definiert, bei dem der durchschnittliche Werts-Zuwachs des Baumes kulminiert, es also sinnvoller ist, ihn zu nutzen, als ihn stehen zu lassen. Letztendlich hängt er aber vom Willen des Waldbesitzers ab..

Bei der Entnahme von Erntebäumen darf der Gesichtspunkt der homogenen Verteilung keine  Rolle mehr spielen. Die Förderung horizontaler Differenzierung ist  im Hinblick auf den Nachwuchs sogar erwünscht. Der Starkholzanfall wird zu eigenen Losen zusammengefasst. Unverzichtbar ist am liegenden Holz die Dokumentation der Rotkernbildung.  

Die sperrige Buchenkrone soll  zerlegt werden, notfalls kann sie in Verbindung mit einer gleichzeitig durchgeführten, punktuellen Schlagpflege im Bestand verbleiben  oder durch vertrauenswürdige Selbstwerber aufgearbeitet werden.

Erntebäume zweiter Ordnung 

    sind Bäume, die absehbar in den nächsten Jahrzehnten in den ZD hineinwachsen werden. Ihre nicht selten eingeklemmten  Kronen regenerieren buchentypisch im Gleichmaß mit der Verbesserung des Lichtklimas durch das Ausscheiden der Erntebäume erster Ordnung (Astabsenkung, Bildung einer Sekundärkrone). Moderates, einzelbaumweises Vorgehen bei der Ernte verhindert Schäden durch Rindenbrand. Ideal ist, wenn der nachrückende Jungwuchs den wertvollen unteren Stammteil bereits beschattend abdeckt.

Nachrücker

  sind qualitativ gute  Bäume  aus dem Unter- und Zwischenstand des Altbestandes und/oder aus der Folgegeneration, die eine gewünschte astfreie Stammlänge übersehen lassen und nach Möglichkeit wipfelschäftig sind. Ihre Vitalität ist  durch die Überschirmung naturgemäß gebremst. An die Astfreiheit sollte man keine zu großen Ansprüche stellen; Feinastigkeit genügt, da die nachfolgende Schicht in aller Regel die Schattenäste zum Absterben bringt. Die allmähliche Verbesserung des Lichtklimas ermöglicht die Umstellung der Krone vom Schatten- auf den Lichthabitus. Nachrücker können je nach Nutzungsgeschichte in den einzelnen Beständen unterschiedlich häufig sein.

Bei der klassischen Schirmschlagverjüngung  ist man gewohnt, diese mit dem Aushieb des Unter- und Zwischenstandes einzuleiten. Bei der auf ein künftiges Dauerwaldgefüge ausgerichteten Ernte vom starken Ende her bedarf der Unter- und Zwischenstand besonderer Aufmerksamkeit. Mit Geduld, im sich allmählich lichtenden Halbschatten des Oberstandes und unter dem astreinigenden Druck der nachrückenden Generation entwickeln sich aus diesen unscheinbaren Bäumen nicht selten strukturschaffende, wertvolle Bestandesglieder.Die Nachrücker sind die Zukunftsbäume des Dauerwaldes .Die Buchen-Urwälder sind voll von solchen Bäumen.

Nicht zu vergessen ist die Bedeutung des Zwischen-und Unterstandes als Strukturelement besonders im Hinblick auf die Steuerung des Lichtregims und auf den Schutz der Wertbäume vor Rindenbrand.

Nachwuchs

    Im Schlagweisen  Hochwald als „Verjüngung“ bezeichnet (relativ rascher Übergang von einer Waldgeneration in die nächste), ist der Begriff „Nachwuchs“ im Dauerwald Teil der natürlichen Walddynamik. Das einzelbaumweise Vorgehen bei der ZDE, weil die Erntebäume nach dem Zufallsprizip verteilt sind,  führt im Nachwuchs in aller Regel zu einer Gruppen- bis Horsttextur.  Dadurch entstehen oft vorübergehende  Waldbilder, die an den Femelschlag erinnern.

Solange die Wirkung des Altbaumschirmes noch anhält, spielt sich im Innern der Nachwuchsgruppen ein ausgesprochen reger natürlicher Ausscheidungsprozess ab, in dessen Verlauf sich genügend potentielle Nachrücker herausbilden. Jungwuchspflege – abgesehen von sporadischer aber unverzichtbarer Schlagpflege -  ist unnötig. Sie kann sich auf das punktuelle Herausarbeiten von Mischbaumarten beschränken.

.Starkbaumreserve

       Sowohl aus ökologischen  als auch aus wirtschaftlichen Gründen ist es erwünscht, wertvolle Bäume alt und stark werden zu lassen. Sie werden weit über den ZD hinaus gehalten.  Dies kann auch für die Buche zutreffen, seitdem der Rotkern nicht mehr unbedingt als wertmindernde Eigenschaft angesehen wird. Uneingeschränkt gilt dies aber für die fast jedem Bestand  beigemischten  Buntlaubbäume. Abgesehen von ihrer Rolle als Samenspender im Ökosystem, haben die ehemals im Zwischenstand eingeklemmten Bäume durchaus das Potential, zu starken Exemplaren, wenn auch mit kurzem, so doch wertvollem Erdstück heranzuwachsen. Ganz besonders trifft dies für den Bergahorn zu. Die vorzeitige Entnahme von Lichtbaumarten, die wegen ihrer geringeren Endhöhe  in den Zwischenstand zurückgefallen sind, sollte man vermeiden. Ihre häufig die der Buche übersteigende Langlebigkeit und ihre ausgeprägte Verjüngungsfreude sind auch im Zeichen des Klimawandels von zunehmender Bedeutung.

Starkbaumreserven müssen nicht unbedingt entlang der Wege stehen, wo sie vermehrten Gefahren ausgesetzt sind. Ihre strukturelle Wirkung entfalten sie besser auf der Fläche. Ihre verzögerte Nutzung ist dann jederzeit möglich, wenn der Nachwuchs beginnt, in die Krone des Altbaumes hineinzuwachsen.

Anders verhält es sich mit Bäumen, die im Erholungswald am Waldeingang, an Wegegabeln oder entlang von Spazierwegen aus waldästhetischen Gründen gehalten werden. Ihre Nutzung geschieht meist unter dem Gesichtspunkt der Schadenshaftung.

Ökobäume

  Ökobäume sind solche, die aus ökologischen Gründen (Diversität, Artenvielfalt, Ästhetik), dem natürlichen Zerfall anheimgegeben werden. Hierher gehören auch die Höhlenbäume. Auch sie sind im Bestandesinnern besser aufgehoben wie am Wegesrand. Man muss übrigens nicht jeden Baum ernten, der unverhältnismäßige Bringungskosten und große Schäden am Nachwuchs verursacht. Er kann mit gutem Gewissen  der Ökoreserve zugewiesen werden.

Schlussbetrachtung

Die Arbeit in Buchenbeständen mit Zieldurchmesserernte ist ebenso interessant wie anspruchsvoll. Sie stellt hohe Anforderungen an Planung, Organisation  und handwerkliche Kunst. Voraussetzung ist für alle Beteiligten eine klare Vorstellung vom Ziel, nämlich eine bestmögliche  wirtschaftliche  Ausnutzung der vorgegebenen Waldsubstanz und dabei gleichrangig  die Anforderungen von Ökologie und Waldästhetik zu erfüllen.

 

 

                                                                                                          S.Palmer    03.2010

 

 

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