Waldentwicklungstypen   Stellungnahme zum Entwurf Mai 2013

Zusammenfassende Beurteilung

Der, wenn auch halbherzige, Schwenk in Richtung Dauerwald ist wohl den derzeitigen landespolitischen Verhältnissen und dem Druck mancher Umweltverbände geschuldet.

Nichtsdestoweniger ist dies angesichts der bisherigen Dominanz des Denkens in Altersklassen die Andeutung eines aus Sicht der ANW erfreulichen Paradigmenwechsels.

An diesen Prozess beteiligt sich die ANW gerne und führt zu den vorgelegten Entwürfen von ForstBW  folgendes aus:


1.)    Für alle Waldentwicklungstypen, in denen der Begriff „Dauerwald“ auftaucht:


Die Vorstellungen der ANW zur Bewirtschaftung von Dauerwäldern gehen über die von Möller 1922 formulierten Leitgedanken hinaus bzw. wurden in den vergangenen 60 Jahren insbesondere an die Adresse der Waldbaupraktiker gerichtet konkretisiert.
Wesentliches Element der waldbaulichen Praxis im Dauerwald ist der konsequente Verzicht auf jede Art einer flächenhaften Räumung (>0,3 ha). Dauerwald nach ANW- Verständnis ist im Gegensatz zum Saum- und Femelschlag eine möglichst dauerhafte „Halbschattenwirtschaft“. Diese kennt keine Umtriebszeiten, keine Hiebsrichtung, weder eine zeitliche noch räumliche Ordnung und auch keine Verjüngungszeiträume. Die Walderneuerung findet bei geregelten Wildständen permanent statt. 
Der zentrale ökonomische Leitgedanke ist das optimale Ausnützen der Ertragsfähigkeit des „Systems Standort- Baum“ sowie des Ertragsvermögens des Einzelbaums. Der Baum, oder auch mehrere benachbarte Bäume gleichzeitig, wird geerntet, sobald er seinen individuellen qualitätsorientierten Zieldurchmesser erreicht hat. 
Struktur ist kein primäres Ziel einer Dauerwaldwirtschaft , sondern eine zwangsläufige Folge. Sie stellt sich nach der Umstellung auf Dauerwaldwirtschaft mit der Zeit von alleine ein.


 

2.)    Dauerwald ist somit kein Waldzustand, sondern letztendlich eine Betriebsart. Sie wird in dem Moment begründet, in dem der Waldbesitzer von der flächigen zur einzelbaumweisen bzw. kleinflächigen Nutzung übergeht. 
Deshalb kann es innerhalb eines Waldentwicklungstyps, der in seiner Beschreibung Elemente des Altersklassenwaldes beinhaltet, z.B. den Begriff „Femelschlag“, auch keinen untergeordneten Behandlungstyp „Dauerwald“ geben. Das gilt auch umgekehrt.


 

3.)    Die AG Forsteinrichtung definierte in ihrem Bericht „Forsteinrichtung in strukturreichen Wäldern, 1997“ :  „Dauerwald wird als eine Form des Wirtschaftswaldes definiert, bei dem im Gegensatz zum Schlagweisen Hochwald die Nutzung auf Dauer einzelbaum-, gruppenweise oder kleinflächig erfolgt.“  Der Plenterwald ist eine besonders hoch entwickelte Form des Dauerwaldes und ist an das Vorkommen der Weißtanne gebunden. Dagegen ist der Femelschlag eine Nutzungs- bzw. Verjüngungsart  des Schlagweisen Hochwaldes. Ist das WET-Leitbild ein Dauerwald, sollte man den Begriff Femelschlag vermeiden. Femelwald ist hingegen sprachlich dasselbe wie Plenterwald.

 

4.)    Für alle Waldentwicklungstypen, in denen Zieldurchmesser definiert werden:

Eine starre Vorgabe von Zieldurchmessern, abgesehen davon ,dass dies Sache des Waldbesitzers ist, schränkt die waldbauliche Freiheit im Sinne einer einzelbaum- und bestandesindividuellen Waldbehandlung unnötig ein. Insbesondere trifft dies zu, wenn Maximalwerte genannt werden. Maximale Zieldurchmesser (Diameter-limit cutting = komplette Entnahme aller Bäume oberhalb eines definierten Maximaldurchmessers) gelten in der internationalen Fachliteratur als „nicht nachhaltige exploitative Hiebsformen (Plünderhiebe). Von daher handelt es sich in den gegenwärtigen Entwürfen sicher um einen Irrtum. 
Die ANW schlägt statt dessen zur Orientierung die Benennung von qualitätsdifferenzierten Mindestdurchmessern vor. Bsp.:
Fichte und Tanne: B- und C- Qualität ZD ab 50 cm, A- Qualität ZD ab 80 cm
Die Durchmesser sind grundsätzlich nach oben offen. Für die Entscheidung des Hiebszeitpunkts müssen selbstverständlich die jeweils aktuellen Gegebenheiten des Holzmarktes Berücksichtigung finden.


 

5.)    Vorratskonstanz durch Nutzung des laufenden Zuwachses (z.B. 350 –500 Vfm/ha in Fi- und Ta- Typen) über eine möglichst lange Periode erhöht die Ertragsfähigkeit, Stabilität und Langlebigkeit der Bäume und fördert die natürliche Verjüngung und die Möglichkeit des Vorbaus erwünschter Mischbaumarten. Ein Kronenprozent von 50 wäre anzustreben. 
Die in verschiedenen Entwürfen der Waldentwicklungstypen in der Vorratspflege angestrebte Vorratsakkumulation wirkt gegensätzlich und führt letztlich zu flächiger Abnutzung mit nachfolgender Pflanzung. Der im Leitbild vorgegebene Waldaufbau ist auf diese Weise nie zu erreichen.
Die Verhinderung einer Akkumulation des Holzvorrats etwa ab dem Baumholzalter durch die ständige Abschöpfung des Laufenden Zuwachses und durch ständiges Öffnen des Kronendachs führt – ohne Zuwachsverlust – zu höherer Stabilität und zu weiterem Aufbau von Nachwuchsreserven. Die Möglichkeit zur Zieldurchmesser-Ernte im vorgeschlagenem Sinn wird eröffnet. 


 

6.)    Bei der Zieldurchmesser-Ernte entstehen als Folge Waldbilder, die dem Femelschlag ähneln. Beim Femelschlag steht jedoch die Verjüngung im Vordergrund, bei der ZDE dagegen die Erntereife des Einzelbaums. 

 

7.)    Die frühzeitige Baumzahlreduktion in Fichtenjungwüchsen unterbricht die dem natürlichen Ablauf innewohnende Tendenz zur vertikalen und horizontalen Differenzierung und zur natürlichen Baumzahlreduzierung, ist darüber hinaus kostenintensiv und führt letztendlich zu homogenem Bestandesaufbau.

 

8.)    Zum gleichen Ergebnis führt die Auswahl und Begünstigung einer zu hohen Z-Baumzahl. Sinnvoller erscheint das Herausarbeiten von 100 Zielbäumen entsprechend dem bay. Fichtenkonzept. Das Einbeziehen von nachrückenden Zielbäumen 2ter Ordnung fördert die Langfristigkeit und gibt Gelegenheit für einen fließenden Generationswechsel.

 

9.)    Der Waldentwicklungstyp „Fichten- Mischwald risikogemindert“ ist nicht Bestandteil einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Es handelt sich um einen Plantagentyp des Kurzumtriebs, der trotz Risikominderung durch Höhenbegrenzung ein mit erhöhten Risiken behafteter Typ bleibt. Im öffentlichen Wald sollte er deshalb keine Rolle spielen. 
Das heißt nicht, dass man nicht mit der Baumart Fichte aus Naturverjüngung eines Vorbestandes auf diesen Standorten weiterarbeiten kann. Hier gilt es durch Einspielen stabiler Baumarten (Pflanzung, extensiver Mischwuchsregulierung) und entsprechende Pflege der Jungbestände langfristig eine Stabilisierung des Waldökosystems herbeizuführen.
Dies geschieht am Besten innerhalb der Waldentwicklungstypen Fichte Ziel Eiche und Fichte Ziel Buche. Sobald die Zieltypen durch entsprechend stabilere Strukturen  erreicht sind, kann später auch eine Überführung in Dauerwald erfolgen.


 

10.) Ein Werkzeugkasten des Waldbaus, sollte aus den genannten Gründen für die wesentlichen Baumarten Buche, Tanne, Fichte und Eiche neben den Waldentwicklungstypen des schlagweisen Hochwaldes auch Waldentwicklungstypen der Betriebsart Dauerwald enthalten. Sonst ist er nicht vollständig und deckt die vielfältigen Belange der Waldbesitzer nur unzureichend ab. Diese müssen genauso wie die erstgenannten sprachlich und forstfachlich sauber beschrieben werden. Gegenwärtig haben wir in den Entwürfen eine für beide Seiten unbefriedigende Durchmischung der Betriebsarten. Bei den Buchen- Typen z.B. drängt sich der Eindruck des Etikettenschwindels auf, wenn im langfristigen Waldentwicklungsziel der Dauerwald genannt wird und dieser nicht mit den Beschreibungen der Behandlungstypen korrespondiert.

 

 

Für weitere Ausführungen zu den einzelnen Waldentwicklungstypen sind die angekündigten Waldbaukonferenzen besser geeignet. Mitglieder der ANW werden sich hier entsprechend einbringen.

Die ANW ist auch gerne bereit, bei der Formulierung „echter“ Dauerwaldtypen Vorschläge vorzubereiten oder sich in entsprechende Arbeitsgruppen einzubringen, wenn dieses gewünscht wird.

Dem Abstimmungsprozess wünschen wir einen erfolgreichen Verlauf und im Ergebnis für die Waldbesitzer einen Werkzeugkasten des Waldbaus, der es auch naturgemäß wirtschaftenden Betrieben ermöglicht, sich aus diesem zu bedienen.

Mit freundlichen Grüßen für die ANW Baden- Württemberg

Franz- Josef Risse

 

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW)

1. Vorsitzender Landesgruppe Baden- Württemberg

 

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